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Geschichte(n) von Heldinnen und Helden, Täterinnen und Täter und Opfern aus dem Umfeld des Zweiten Weltkriegs

In dieser dreiteiligen Online-Seminarreihe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. geht es um die große Geschichte und die Geschichten von Einzelnen, die sich in Gewaltregimen unterschiedlich verhalten haben. Gerade in der Zeit von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg mussten persönlich weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Wenn wir heute auf diese Zeit zurückblicken, versehen wir die damals Lebenden häufig mit unterschiedlichen Zuschreibungen wie „Held“, „Täter“ oder „Opfer“. Doch hierbei stellt sich die Frage: Kann man „Held“ und „Täter“ zugleich oder – im Laufe der Zeit – nacheinander sein? Was taugen diese Kategorisierungen und wie können wir das Handeln der Menschen heute sinnvoll einordnen?

Renommierte Expertinnen und Experten werden in jeder der Veranstaltungen zunächst einen allgemeinen Blick auf die Problemstellung werfen und eine Einordnung und Klärung der Begrifflichkeiten vornehmen. Anschließend werden einzelne, kontroverse Biografien vorgestellt und diskutiert. Auch Bezüge in die Gegenwart, beispielsweise zu Debatten um Umbenennungen von Straßen oder Kasernen, sollen nicht zu kurz kommen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass ebenso Zeit ist für Nachfragen und eine Diskussion.

Die Veranstaltungsreihe wird moderiert vom Landesverband Niedersachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Alle Termine finden online statt. Den Zugangslink erhalten alle Angemeldeten einige Tage vor dem jeweiligen Termin.

Die drei Termine im Überblick:

PD Dr. John Zimmermann: Die Begriffe Held:in, Täter:in, Opfer und deren Kontroversität in der öffentlichen Debatte in Deutschland – Braucht die Demokratie Heldenerzählungen?
Termin: 01.09.22, 19.00 Uhr

Dr. Elke Gryglewski: Täter im Nationalsozialismus. Zum Wandel von Täterbegriff und Täterforschung.
Termin: 15.09.22, 19.00 Uhr

Prof. Dr. Arnd Bauerkämper: Von Helden zu Opfern? Erinnerungskulturen zu den beiden Weltkriegen in Europa im Vergleich.
Termin: 29.09.22, 19.00 Uhr


Detaillierte Beschreibungen:

Donnerstag, 1. September 2022, 19:00 Uhr
Die Begriffe Held, Täter und Opfer und deren Kontroversität in der öffentlichen Debatte in Deutschland – Braucht die Demokratie Heldenerzählungen?

Der Begriff „Held“ erfährt gerade eine Art Renaissance durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Wegen des Kampfs Davis gegen Goliath erscheint der Einsatz der Ukrainer*innen als heldenhaft. Nach 1945 und einem Krieg, der von deutscher Seite völkerrechtswidrig und verbrecherisch geführt wurde, stehen viele Menschen in Deutschland einem militärischen Engagement weiterhin skeptisch gegenüber.

Warum hat es nach dem Zweiten Weltkrieg, anders als nach dem ersten, keine neue „Heldenerzählung“ gegeben? Wenn der moderne Soldat kein heldisches Vorbild haben soll, woran orientiert er sich dann? Kommen Demokratien auch ohne Helden aus? Und wenn nicht: Was könnte dann heute einen Helden ausmachen?

PD Dr. John Zimmermann ist seit 2019 Leiter des Forschungsbereichs Deutsche Militärgeschichte, Militärgeschichte bis 1945 am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam. 2012 habilitierte er an der an der Universität Potsdam mit der Studie: „Ulrich de Maizière, General der Bonner Republik 1912–2006“.


Donnerstag, 15. September 2022, 19:00 Uhr
Täter im Nationalsozialismus. Zum Wandel von Täterbegriff und Täterforschung.

Die Reaktionen von Usern der Instagram-Aktion des SWR „Ich bin Sophie Scholl“ haben gezeigt, dass es immer noch eine starke Neigung gibt, die Väter-Generation zu exkulpieren. Warum ist das so?

Nach dem Zweiten Weltkrieg scheint es in der öffentlichen deutschen Wahrnehmung fast ausschließlich Opfer gegeben zu haben. Von der Kinder- und Enkelgeneration aus betrachtet waren vor allem die 50er und 60er Jahre durch großes Schweigen in den Familien bestimmt. Woran liegt diese Indifferenz und Exkulpierung? Wodurch wurde das Schweigen, Verdrängen und Leugnen gebrochen? Was kam zum Vorschein?

Wie handeln Menschen in Gewaltregimen und in Kriegssituationen: Sind Verbrechen im Krieg durch Haltungen geprägt oder sind sie situativ und sozialpsychologisch erklärbar? Was bedeutet dies für die Geschichte des NS und Zweiten Weltkrieges: Was macht Täter zu Tätern?
Wie kann man an Täter*innen angemessen erinnern? Oder sollte man das eher vermeiden?

Dr. Elke Gryglewski ist Leiterin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Von 1995 bis 2020 war sie in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz tätig, zunächst als wissenschaftlich-pädagogische Mitarbeiterin, dann als Stellvertretende Direktorin und Leiterin der Bildungsabteilung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der Nationalsozialismus in globaler Perspektive, Umgang mit dem NS nach 1945 und mit dem Nationalsozialismus in der diversen deutschen Gesellschaft.


Donnerstag, 29. September 2022, 19:00 Uhr
Von Helden zu Opfern, von Opfern zu Tätern? Erinnerungskulturen zu den beiden Weltkriegen in Europa im Vergleich.

Im Jahr 1993 gab es einen öffentlichen Streit um die Inschriften und die Skulptur der Neuen Wache in Berlin. „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ erschien vielen als Gleichsetzung von Opfern und Tätern. Die Plastik „Mutter mit totem Sohn“ von Käthe Kollwitz galt als Verharmlosung der Verbrechen des Nationalsozialismus.

In welchen Schritten hat sich die Erinnerung an die Opfer des NS in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg vollzogen? Wie hat sich der Opferbegriff entwickelt? Wie verhält es sich im Vergleich dazu in den europäischen Nachbarländern?

Was hat dazu geführt, dass Europa nach dem Zweiten Weltkrieg mit der EU zu einer dauerhaften Friedensordnung gefunden hat? Welches sind die wesentlichen Faktoren?

Kann man auf die sogenannte „Aufarbeitung“ der Verbrechen im Nationalsozialismus stolz sein?

Kann es so etwas wie eine europäische Erinnerungskultur des Zweiten Weltkrieges geben?

Prof. Dr. Arnd Bauerkämper ist seit 2009 ord. Universitätsprofessor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin, Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften, am Friedrich-Meinecke-Institut. Er ist unter anderem Stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats der Gedenkstätte „Topographie des Terrors“ (Berlin) und Mitglied des Vorstands der Historischen Kommission zu Berlin.

Status: Anmeldung möglich

Kursnr.: Q100.59

Beginn: Do., 01.09.2022, 19:00 - Uhr

Dauer: 0

Kursort: Online

Gebühr: 0,00 € (inkl. MwSt.)

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